Publiziert von: Oliver Stens
Bereitgestellt: 01.11.2026
Am Hochfest Allerheiligen hören wir im Evangelium die Seligpreisungen Jesu (Mt 5,1–12a). Jesus nennt Menschen glücklich, die nach menschlichen Massstäben keineswegs zu den Erfolgreichen gehören: die Trauernden, die Barmherzigen, die Friedfertigen und jene, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten. Damit eröffnet er einen anderen Blick auf das menschliche Leben und auf die Frage, was einen Menschen vor Gott wirklich auszeichnet.
von Oliver Stens,
Liebe Schwestern und Brüder!
«Selig seid ihr!»
Mit diesen Worten spricht Jesus am Ende des heutigen Evangeliums seine Jünger an.
Und damit meint er auch uns.
Aber was bedeutet es eigentlich, selig zu sein?
Und was hat das mit dem heutigen Fest Allerheiligen zu tun?
Wenn wir an Heilige denken, kommen uns zunächst grosse Namen in den Sinn: Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Mutter Teresa und viele andere.
Doch Allerheiligen erinnert uns daran, dass es unzählige Menschen gibt, deren Namen in keinem Heiligenkalender stehen.
Menschen, die ein ganz gewöhnliches Leben geführt haben.
Die gearbeitet, geliebt, gehofft, manchmal auch gezweifelt haben. Menschen mit Stärken und Schwächen, mit Erfolgen und Fehlern.
Was macht solche Menschen zu Heiligen?
Jesus gibt uns im heutigen Evangelium eine Antwort:
«Selig die Barmherzigen. Selig, die Frieden stiften. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit.»
Es sind bemerkenswerte Worte. Denn Jesus nennt nicht diejenigen selig, die besonders erfolgreich, mächtig oder angesehen sind.
Er spricht von Menschen, die sich um andere kümmern. Die nicht auf ihrem Recht beharren, sondern zur Versöhnung bereit sind. Die nicht wegschauen, wenn andere leiden.
Und das Entscheidende ist: Dazu muss niemand vollkommen sein.
Heiligkeit bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Heiligkeit beginnt dort, wo ein Mensch ernsthaft versucht, das Gute zu tun – auch wenn ihm das nicht immer gelingt.
Vielleicht haben wir solche Menschen selbst kennengelernt. Menschen, deren Güte uns beeindruckt hat. Die für andere da waren, ohne viel Aufhebens darum zu machen.
Allerheiligen erinnert uns an diese Menschen. Und zugleich daran, dass die Seligpreisungen nicht nur eine Beschreibung der Heiligen sind, sondern eine Einladung an jeden von uns.
Denn Jesus sagt: Selig seid ihr.
Liebe Schwestern und Brüder!
Allerheiligen ist auch ein Fest der Hoffnung. Wir glauben, dass unser Leben nicht mit dem Tod endet. Und dass Gott vollenden wird, was in unserem Leben unvollkommen geblieben ist.
Denn am Ende steht nicht die Frage, ob wir alles richtig gemacht haben. Entscheidend ist, ob wir uns für Gottes Liebe geöffnet haben und versucht haben, sie weiterzugeben.
Wir müssen nicht die ganze Welt verändern. Aber wir können dort, wo wir leben, etwas von der Güte und Barmherzigkeit Gottes sichtbar machen.
Und vielleicht genügt es schon, mit dem anzufangen, was wir vom Evangelium verstanden haben.
Wenn jeder von uns das vom Evangelium lebt, was er verstanden hat, dann ist schon viel gewonnen.
Amen.
