Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis (11.10.2026)

Bild (Foto: Oliver Stens)
Im heutigen Evangelium erzählt Jesus das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Matthäus 22,1–14). Ein König lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein, doch die geladenen Gäste haben anderes zu tun. Daraufhin lässt der König Menschen von den Strassen zum Fest holen. Am Ende steht die Frage nach dem Hochzeitsgewand, das sinnbildlich für die innere Bereitschaft steht, sich auf Gottes Einladung einzulassen.
von Oliver Stens,
Liebe Schwestern und Brüder!

Eigentlich beginnt das Evangelium heute mit etwas ausgesprochen Schönem.

Ein König veranstaltet die Hochzeit seines Sohnes. Alles ist vorbereitet. Das Fest kann beginnen. Und nun werden die Gäste gerufen: „Kommt zur Hochzeit!“

Es ist eine Einladung. Kein Befehl. Keine Drohung. Eine Einladung.

Und genau mit diesem Bild beschreibt Jesus das Reich Gottes. Gott lädt den Menschen ein.

Und dann erzählt Jesus etwas ganz Spezielles. Die eingeladenen Gäste wollen nicht kommen. Der eine geht auf seinen Acker, der andere in seinen Laden.

Eigentlich sind das völlig normale Dinge. Da ist nichts Verwerfliches dabei, einen Acker zu bestellen oder seinem Beruf nachzugehen. Aber genau darin liegt vielleicht der Sinn dieser Geschichte.

Es müssen gar nicht immer die grossen Entscheidungen gegen Gott sein. Manchmal genügt einfach das Andere. Das, was gerade wichtiger erscheint.

Der Alltag. Die Arbeit. Die Termine. Die Dinge, die unbedingt noch erledigt werden müssen. Und plötzlich ist für die Einladung kein Platz mehr.

Liebe Schwestern und Brüder. Ich glaube, das kennen wir durchaus.

Wir leben in einer Zeit, in der unglaublich viel gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Der Kalender ist voll. Das Telefon meldet sich. Nachrichten kommen herein. Es gibt etwas zu organisieren, zu erledigen, zu kaufen oder zu planen.

Und vieles davon ist notwendig. Aber zwischen all diesen Dingen stellt das Evangelium heute eine einfache Frage: Was ist eigentlich wirklich wichtig?

Oder noch persönlicher: Was macht mein Leben wertvoll?

Nicht: Was besitze ich? Nicht: Was habe ich alles erledigt? Ja, nicht einmal: Was habe ich erreicht? Sondern: Wovon lebe ich wirklich?

Wir besitzen heute wahrscheinlich mehr Dinge als Menschen jemals zuvor. Und trotzdem wissen wir: Die wertvollsten Dinge unseres Lebens kann man meistens gar nicht kaufen.

Einen Menschen, der zu mir hält. Gesundheit. Zeit. Vertrauen. Eine Freundschaft. Ein gutes Gespräch. Das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Und eben auch den Glauben, dass mein Leben von Gott getragen ist.

Vielleicht besteht eine der grossen Herausforderungen unseres Lebens darin, zwischen dem Wichtigen und dem weniger Wichtigen unterscheiden zu lernen.

Die Menschen im Evangelium haben ihre Einladung nicht abgelehnt, weil sie grundsätzlich etwas gegen das Fest gehabt hätten. Sie hatten einfach gerade anderes zu tun.

Und genau darin können wir uns möglicherweise wiederfinden. Denn auch Gottes Einladung kommt selten laut und deutlich rüber.

Sie begegnet uns oft ganz leise und vorsichtig. In einem Menschen, der uns braucht. In einem Augenblick der Stille. In einem Gottesdienst. In einem Gedanken, der uns nicht loslässt.

Das Evangelium bleibt allerdings nicht bei einer unverbindlichen Einladung stehen.

Am Ende erzählt Jesus von einem Gast, der zwar gekommen ist, aber kein Hochzeitsgewand trägt. Dieses Bild wirkt zunächst befremdlich. Doch vielleicht will Jesus damit etwas sehr Einfaches sagen:

Es reicht nicht, die Einladung Gottes nur anzunehmen. Sie möchte auch etwas in unserem Leben verändern.

Wer sich von Gott einladen lässt, soll etwas von dieser Einladung weitertragen. Barmherzigkeit. Dankbarkeit. Achtsamkeit. Verantwortung.

Der Glaube ist nicht einfach eine Eintrittskarte, die man besitzt. Er ist immer auch eine Antwort.

Und diese Antwort zeigt sich darin, wie wir leben.

Vielleicht könnten wir deshalb aus dem Evangelium heute nur eine einzige Frage mitnehmen:

Welche Einladung Gottes überhöre ich vielleicht gerade? Mit anderen Worten: Wo bin ich so beschäftigt mit meinem eigenen Acker, meinem eigenen Laden, meinen eigenen Plänen, dass ich das Wesentliche aus den Augen verliere?

Gottes Einladung steht. Heute genauso wie damals: „Kommt zur Hochzeit!“

Heisst: Kommt zum Leben. Kommt in meine Nähe.

Und vielleicht besteht Glaube manchmal einfach darin, diese Einladung wieder neu zu hören – und zu sagen:

Jawoll. Ich komme.

Amen.