Publiziert von: Oliver Stens
Bereitgestellt: 13.09.2026
Mt 18,21–35: Petrus fragt Jesus, wie oft man einem anderen vergeben muss. Jesu Antwort ist radikal: nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal – also ohne aufzurechnen. Im Gleichnis vom unbarmherzigen Schuldner macht Jesus deutlich: Wer selbst von Vergebung lebt, soll auch anderen mit Barmherzigkeit begegnen.
von Oliver Stens,
„Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?“
Liebe Schwestern und Brüder!
Petrus möchte es genau wissen. Und er macht sogar einen grosszügigen Vorschlag und fragt: Siebenmal?
Das klingt schon nach ziemlich viel.
Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“
Mit anderen Worten: Hör auf damit, nachzuzählen.
Genau darum geht es. Denn wir Menschen führen gerne Buch.
Wer hat mich verletzt? Wer hat sich entschuldigt? Wer schuldet mir noch etwas? Und wie viel?
Jesus erzählt deshalb die Geschichte von einem Mann, dem eine riesige Schuld erlassen wird.
Eine Schuld, die er niemals hätte zurückzahlen können.
Und kaum ist ihm diese ungeheure Schuld erlassen worden, trifft er einen anderen, der ihm sehr viel weniger schuldet.
Doch die Barmherzigkeit, die er selbst erfahren hat, verändert sein eigenes Verhalten überhaupt nicht. Er nimmt sie für sich in Anspruch – aber er ist nicht bereit, sie einem anderen zu gewähren.
Jesus hält uns damit einen Spiegel vor. Denn auch wir leben von etwas, das wir uns nicht selbst geben können: von Gottes Vergebung.
Keiner von uns steht vor Gott mit einer vollkommen weissen Weste.
Und genau deshalb sollen auch wir nicht auf Dauer an dem festhalten, was ein anderer uns schuldig geblieben ist.
Das bedeutet nicht, dass alles harmlos ist. Es bedeutet nicht, dass wir Verletzungen vergessen müssen. Und es bedeutet schon gar nicht, dass wir Unrecht gutheissen sollen.
Eine Verletzung kann schwer wiegen. Ein Wort kann lange nachwirken. Eine Enttäuschung kann eine Beziehung belasten und verändern.
Und trotzdem darf das Geschehene nicht alles andere überdecken, was auch zu diesem Menschen gehört.
Das ist vielleicht eine der schwierigsten Formen von Barmherzigkeit: einen Menschen nicht nur durch die Brille der eigenen Verletzungen und Kränkungen zu sehen.
Vergebung bedeutet deshalb nicht, so zu tun, als sei nichts geschehen.
Sie bedeutet vielmehr, dem Geschehenen nicht für allezeit die Macht über die Beziehung und über das eigene Leben zu überlassen.
Vielleicht braucht es Zeit.
Vielleicht braucht es Abstand.
Manches kann nicht von heute auf morgen verziehen werden.
Aber ein erster Schritt in diese Richtung kann beispielsweise dort beginnen, wo ich nicht bei jeder neuen Begegnung wieder hervorhole, was gewesen ist.
Und vielleicht gilt das sogar für uns selbst.
Auch wir kennen Fehler, Entscheidungen oder Versäumnisse, die wir uns selbst immer wieder vorhalten. Und die wir uns nicht verzeihen können.
Doch Gottes Barmherzigkeit erinnert uns daran: Unsere Schuld darf nicht das letzte Wort über unser Leben haben.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe des Evangeliums:
Wir vergeben, weil wir selbst von Vergebung leben. Sozusagen auf Vergebung angewiesen sind.
Weil Gott auch bei uns nicht ständig nachrechnet.
Weil er uns nicht für immer auf das reduziert, was misslungen ist.
Und deshalb sagt Jesus zu Petrus: Zähl nicht. Rechne nicht.
Lass die Barmherzigkeit grösser sein.
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Petrus möchte es genau wissen. Und er macht sogar einen grosszügigen Vorschlag und fragt: Siebenmal?
Das klingt schon nach ziemlich viel.
Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“
Mit anderen Worten: Hör auf damit, nachzuzählen.
Genau darum geht es. Denn wir Menschen führen gerne Buch.
Wer hat mich verletzt? Wer hat sich entschuldigt? Wer schuldet mir noch etwas? Und wie viel?
Jesus erzählt deshalb die Geschichte von einem Mann, dem eine riesige Schuld erlassen wird.
Eine Schuld, die er niemals hätte zurückzahlen können.
Und kaum ist ihm diese ungeheure Schuld erlassen worden, trifft er einen anderen, der ihm sehr viel weniger schuldet.
Doch die Barmherzigkeit, die er selbst erfahren hat, verändert sein eigenes Verhalten überhaupt nicht. Er nimmt sie für sich in Anspruch – aber er ist nicht bereit, sie einem anderen zu gewähren.
Jesus hält uns damit einen Spiegel vor. Denn auch wir leben von etwas, das wir uns nicht selbst geben können: von Gottes Vergebung.
Keiner von uns steht vor Gott mit einer vollkommen weissen Weste.
Und genau deshalb sollen auch wir nicht auf Dauer an dem festhalten, was ein anderer uns schuldig geblieben ist.
Das bedeutet nicht, dass alles harmlos ist. Es bedeutet nicht, dass wir Verletzungen vergessen müssen. Und es bedeutet schon gar nicht, dass wir Unrecht gutheissen sollen.
Eine Verletzung kann schwer wiegen. Ein Wort kann lange nachwirken. Eine Enttäuschung kann eine Beziehung belasten und verändern.
Und trotzdem darf das Geschehene nicht alles andere überdecken, was auch zu diesem Menschen gehört.
Das ist vielleicht eine der schwierigsten Formen von Barmherzigkeit: einen Menschen nicht nur durch die Brille der eigenen Verletzungen und Kränkungen zu sehen.
Vergebung bedeutet deshalb nicht, so zu tun, als sei nichts geschehen.
Sie bedeutet vielmehr, dem Geschehenen nicht für allezeit die Macht über die Beziehung und über das eigene Leben zu überlassen.
Vielleicht braucht es Zeit.
Vielleicht braucht es Abstand.
Manches kann nicht von heute auf morgen verziehen werden.
Aber ein erster Schritt in diese Richtung kann beispielsweise dort beginnen, wo ich nicht bei jeder neuen Begegnung wieder hervorhole, was gewesen ist.
Und vielleicht gilt das sogar für uns selbst.
Auch wir kennen Fehler, Entscheidungen oder Versäumnisse, die wir uns selbst immer wieder vorhalten. Und die wir uns nicht verzeihen können.
Doch Gottes Barmherzigkeit erinnert uns daran: Unsere Schuld darf nicht das letzte Wort über unser Leben haben.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe des Evangeliums:
Wir vergeben, weil wir selbst von Vergebung leben. Sozusagen auf Vergebung angewiesen sind.
Weil Gott auch bei uns nicht ständig nachrechnet.
Weil er uns nicht für immer auf das reduziert, was misslungen ist.
Und deshalb sagt Jesus zu Petrus: Zähl nicht. Rechne nicht.
Lass die Barmherzigkeit grösser sein.
Amen.
