Herz-Jesu-Freitag – einfach da sein

Anbetung (Foto: Oliver Stens)
Am ersten Freitag laden wir zur eucharistischen Anbetung ein und feiern anschliessend die Eucharistie. Diese Tradition nennt sich Herz-Jesu-Freitag.
von Oliver Stens,
Der Name klingt vielleicht für manche etwas aus der Zeit gefallen. Doch hinter dieser alten Frömmigkeitsform steckt ein Gedanke, der aktuell ist.
Das "Herz" ist bis heute ein starkes Bild. Wir sagen: Dieses oder jenes geht mir zu Herzen. Jemand hat ein grosses Herz. Ich schliesse jemanden ins Herz. Mit anderen Worten: Das Herz steht für die "Mitte" eines Menschen, für das, was ihn im Innersten bewegt.
Wenn wir Christen vom Herzen Jesu sprechen, meinen wir genau diese Mitte: Wie war Jesus? Was bewegte ihn? Für wen hatte er ein Herz? Die Evangelien erzählen von einem Menschen, der sich berühren liess, der Mitleid hatte, Menschen ansah und ihnen zuhörte. Herz-Jesu-Frömmigkeit bedeutet deshalb letztlich: sich der Liebe Jesu anzuvertrauen und selbst ein Mensch mit Herz zu werden.
Dazu passt die Anbetung. Vielleicht sogar mehr denn je.
Unser Alltag ist voller Nachrichten, Bilder und Termine. Die Anbetung setzt einen Gegenakzent: Ich muss jetzt nichts tun. Ich darf einfach da sein.
Deshalb gehört unbedingt die Stille dazu. Sie wird durch kurze Gebete und Wechselgebete unterbrochen, die Gedanken aufnehmen und dem gemeinsamen Beten eine Stimme geben. Danach darf es wieder still werden. Nicht jede Minute muss gefüllt sein.
Warum der erste Freitag? Diese Tradition entwickelte sich besonders im 17. Jahrhundert und ist mit der heiligen Margareta Maria Alacoque verbunden. Damals sollte der regelmässige Empfang der Kommunion am ersten Freitag Menschen neu zur Eucharistie hinführen. Der historische Hintergrund ist also ein anderer als heute. Die Grundidee aber bleibt: regelmässig einen Zeitpunkt reservieren für die Begegnung mit Jesus dem Christus.
Am Ende der Anbetung steht der sakramentale Segen. Auch er ist ein Zeichen ohne viele Worte. Wir haben eine Zeit lang vor dem eucharistischen Brot verweilt – und am Ende wird mit diesem Brot das Kreuz über uns gezeichnet. Wir gehen gesegnet zurück in unseren Alltag.
Vielleicht braucht es gar nicht mehr Erklärung.
Eine Stunde, in der nichts von mir verlangt wird.
Stille.
Ein paar Worte.
Zeit vor und für Gott.
Und am Ende ein Segen für meinen Weg.